Bericht von Roger Kalala nach seiner Rückkehr in den Kongo
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Bericht von Roger Kalala nach seiner Rückkehr in den Kongo

Überblick über die Tätigkeiten für das Ngenyi-Zentrum

Nach meiner Rückkehr in den Kongo Ende Juli bin ich für 3 Wochen nach Mbujimayi geflogen, um den Ablauf der Aktivitäten für das Projekt zu verfolgen. Zurzeit folgen wir dem Plan, den wir schon erklärt haben: Das Projekt beginnt mit der Landwirtschaft, danach kommt der Aufbau der Gebäude für das Volksbildungszentrum, vor allem des Gästehauses, denn Unterkünfte vor Ort zu schaffen ist vorrangig.

Die landwirtschaftlichen Arbeiten sind angelaufen. Wir durften ja die erste Anbauzeit nicht verpassen, die uns als Testphase für die Feldarbeit dienen soll. Mit einem gemieteten Traktor konnten wir die 7 Hektar umpflügen. Aber das gepflügte Feld muss auch noch in Handarbeit beackert werden. Wir ziehen dazu außer Sympathisanten auch Tagelöhner heran.

Die Vorbereitung der Saat geht voran. Wir erwarten den ersten Regen in der zweiten Septemberhälfte, um mit der eigentlichen Aussaat zu beginnen. Wir haben auch Bodenproben zur Analyse an das Labor in Deutschland geschickt; dies wird uns künftig auf der Basis genauer Kenntnisse vom Boden helfen zu entscheiden welcher Anbau am besten geeignet ist.

Vor Beginn der Bauarbeiten werden wir das gesamte Grundstück für den Anbau von Lebensmitteln nutzen. Wir haben es in zwei Teile eingeteilt: 2/7 werden für Gemüseanbau genutzt. Da die Zeit bis zur Reife ziemlich kurz ist, können wir Produkte für den Verkauf produzieren, um die Kosten für die Bewachung und den Anbau dauerhafter Pflanzen zu decken. 5/7 des Grundstücks sind für den Anbau von Erdnüssen oder Bohnen o. ä. vorgesehen. Die Agronomen raten zu diesen Gemüsepflanzungen, weil sie auch als natürlicher grüner Dünger für den Boden dienen. Für diese Arbeiten haben wir schon Handgeräte wie Hacken, Rechen, Macheten, Gießkannen etc. gekauft.

Die erste Ernte wird für Februar erwartet. Jedoch erhoffen wir noch kein optimales Ergebnis, denn wir machen hier erste Erfahrungen. Unter solchen Bedingungen gibt es immer etwas, was misslingt, weil man Fehler macht; diese können danach korrigiert werden. Dann ist die angewandte Technik bei weitem nicht ultramodern; und der Ertrag hängt sicher auch von den eingesetzten Mitteln ab. Und wir sind auch vom Wetter abhängig. Wir haben das Problem der Wasserversorgung, unter anderem mit einer Wasserpumpe, noch nicht gelöst. Chemischer Dünger und Insektenmittel sind sehr teuer, vor allem wenn man sie in kleinen Mengen kauft. Die Versorgung der Stadt Mbujimayi mit Importprodukten erfolgt im Wesentlichen auf dem Luftweg; denn Straßen und Eisenbahn sind zumeist unbenutzbar. Aber wichtig ist: Der Anfang ist gemacht, wenn auch mit begrenzten Mitteln. So lernt man besser, als wenn wir auf der Ebene abstrakter Ängste und Befürchtungen stehen bleiben.

Die Feldarbeit und der Bau des Hauses für den Wächter werden aus den Spenden von SI finanziert. Zu Beginn des Projektes werden die Finanzhilfen von SI noch großes Gewicht haben. In dem Maße, wie wir vorankommen, werden die anderen Hilfen, besonders die örtlichen, zu einem guten Gleichgewicht führen. Jedenfalls bauen wir gegenwärtig auf SI, um dieses Experiment gut zu Ende zu bringen. Wir müssen in den nächsten Tagen Saatgut von guter Qualität und Pflanzenschutzmittel sowie eine Motorpumpe kaufen, um Produktion und Erträge zu erhöhen.

Immerhin hat der Verlauf dieser Arbeiten auf örtlicher Ebene schon eine positive Seite. Wir haben bei etlichen Leuten die am Zentrum mitarbeiten möchten, eine gewisse Begeisterung festgestellt. Die Dorfbewohner zeigten großes Interesse die Tätigkeiten des Ngenyi-Zentrums kennen zu lernen, vor allem wollen sie wissen, welche Bedeutung es für ihr Alltagsleben und ihr Umfeld haben kann. Besonders Frauen und Jugendlichen waren interessiert. Wenn dieser Austausch weiter besteht, sollte dies zur Verbesserung der Sicherheit für das Zentrum, vor allem der Ernte, beitragen: Aufgrund der Armut ist Diebstahl zu einem weit verbreiteten Phänomen geworden; und wenn wir die negativen Auswirkungen von Diebstahl auf das Projekt begrenzen wollen, ist die Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern entscheidend.

Für die Bauarbeiten brauchen wir noch mehr Informationen und Fachkenntnisse, um die Kosten zu verringern. Die Idee ist, so weit wie möglich örtliche Baumaterialien zu benutzen – natürlich werden wir dazu verschiedene Gutachten einholen – um einen einfachen, aber angemessen Arbeitsrahmen aufzustellen.

Nach erster Durchsicht gibt es bei den örtlichen Baumaterialien viele Alternativen: Anstelle von Zement, das hier fünfmal teurer als in Kinshasa ist, kann gut Holz und Kalk genutzt werden. Im Übrigen sind minimale Kosten für den Bau Bestandteil unseres Konzepts vom Ngenyi-Zentrum, auch um vielen anderen Leuten zu helfen, selbst an wesentliche Leistungen wie Wohnung, Wasser, Strom etc. heran zu kommen.

Mehrere Personen, mit denen wir über unser Konzept gesprochen haben, meinen, dass dieses Vorgehen die Barrieren, die die traditionellen Nichtregierungsorganisationen nicht beseitigen konnten, abbauen könnte. Viele Beobachter sagen sogar, dass das Konzept der traditionellen NRO total gescheitert ist. Unter diesen Umständen ist der Erfolg des Ngenyi-Zentrums für viele ein hoffnungsvoller Schritt, der auch für viele andere Bereiche als Pilotprojekt dienen kann.

Shambuyi KALALA

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