22.1.21 – Bericht aus Lesvos
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22.1.21 – Bericht aus Lesvos

1. Reinigung des Bereichs für alleinstehende Männer. Gute Arbeit des Farsi-Teams.

2. Wir wissen, dass unsere Partner lange darauf gewartet haben, mit ihrem Unterricht zu beginnen. Heute konnten sie endlich. Natürlich bekommen sie wie immer die Unterstützung, die sie benötigen. Wir haben diesen Ort selbst gebaut. Nachdem wir drei Monate lang gefragt und gebeten haben.

3. Letzte Nacht ist ein Boot direkt in unserem Camp gelandet, ohne Menschen. Wir haben es so organisiert, dass die Kinder es nicht sehen können. Solche Bilder lösen nur Angst und Panik aus.

4. Für den Umbau des Strandes Tsamakia-Lesvos bekommt die Gemeinde Mytilene zehn Millionen Euro. Für dieses Bonbon soll die Gemeinde ihren Widerstand gegen den Bau eines neuen modernen Flüchtlingsgefängnisses aufgeben. Die Insulaner erzählen sich viel. Sie sollen Beate Gminder in der Nähe gesehen haben.

5. Die Flüchtlinge berichten Sie kamen zum Strand von Kara Tepe

  • Ein Boot mit etwa zehn Menschen strandete am 21.01.2021 morgens beim Ufer des Lagers in Kara Tepe. Die Flüchtlinge stiegen beim Lager aus, dem am besten bewachten Ort der Insel. Sie haben sich sofort im Lager zerstreut. Der größte Teil wurde unter Quarantäne gestellt. Drei haben sich im Lager versteckt. Sollten sie infiziert sein, bilden sie für die Flüchtlinge eine große Gefahr. Die SO verurteilen solche Praktiken, auch wenn sie eine schlimme Fahrt hinter sich hatten.Um sie unter Quarantäne zu stellen, werden sie überall gesucht.
  • Die Schachkurse sind ein großer Erfolg. Gut gemacht von Moria Acadamia.
  • Unsere Freunde von Samos berichteten, dass sie gestern Abend im Warmen verbrachten. NGOs schafften es, was eigentlich Aufgabe der griechischen Regierung ist: Sicherstellen, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf und es warm haben. Die NGOs haben die Erlaubnis erhalten, 16 Personen, darunter schwangere Frauen und junge Familien, in Notunterkünften unterzubringen. Sie hoffen, in den kommenden Tagen auch ältere Menschen und Kranke schützen zu können. Nur 800 von etwa 3.500 Asylbewerbern auf Samos sind derzeit im offiziellen Camp untergebracht.
  • Etwa 2.700 Menschen leben derzeit in Zelten und anderen Unterkünften an den Berghängen über der Stadt. Unter den Menschen, die am Hang leben, gehören viele zu den am stärksten Gefährdeten.
  • Laut eines in der Zeitung »Die Welt« veröffentlichten Artikels, haben die Zelte in Moria 2.0 festen Boden, der auch gegen Wasser schützt. Holzpaletten, die mit Kunststoffblech belegt sind, wären unter die Zelte gelegt worden, sowie im gesamten Gebiet ein System für Regenwassermanagement eingerichtet worden – mit Sammelbecken, Pumpen und Kanälen, um das Wasser von den Zeltstellen weg zu leiten.“
    Das klingt nach einem ziemlich schönen Camp! Leider wissen wir vom Moria Corona Awareness Team oder den Moria Weißhelmen, zwei engagierten Gruppen von Bewohnern des Camps, dass dies erstens nicht wahr ist und sie zweitens das Meiste selber gemacht haben. Warum ist es möglich, dass Zeitungen Lügen verbreiten? Sie verbreiten die gleichen Lügen wie die griechischen Zeitungen. Sie schreiben bewusst die gleichen Falschmeldungen.

Den Anwälten zur Kenntnis.Ich habe einen Link über WhatsApp erhalten. Interessant ist, was da abläuft. Es war in Griechisch geschrieben, wurde übersetzt und kann genutzt werden. Der Flüchtling schrieb dazu:

Folterverbot

Niemand darf einer Folter oder einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe ausgesetzt werden. In allen acht Fällen wurde extrem gefährdeten Menschen immer wieder der Zugang zu medizinischer Versorgung durch die griechischen Behörden verwehrt.

Es bezieht sich auf diesen Fall.

Ein HIV-positiver Fall von KYT Moria an den Europäischen Gerichtshof: »Aufgrund des mangelnden Zugangs zur Gesundheitsversorgung wurde bei ihm später Blutkrebs diagnostiziert«

veröffentlicht am 21.1.2021

Die griechische Regierung wurde von der EU zur Beantwortung von Fragen zur Behandlung von insgesamt acht Personen aufgefordert. Alle acht Personen lebten in einem der sogenannten Hotspots der Europäischen Union und litten an Grunderkrankungen oder waren aus anderen Gründen besonders gefährdet. Der Gerichtshof wird nun die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob diese Umstände die Menschenrechte der Antragsteller verletzt haben. Die Europäische Menschenrechtskonvention verbietet erniedrigende und unmenschliche Behandlung und verpflichtet Staaten, das Recht auf Leben zu schützen. Jedoch, „in diesen Fällen hat der griechische Staat die Antragsteller nicht nur nicht vor unmenschlicher und erniedrigender Behandlung geschützt, sondern sie auch aktiv unterdrückt“, so die Anwälte von HIAS. Der Fall in Bezug auf das Moria-Krankenhaus im Jahr 2019 lautet wie folgt: „Der EF-Fall betrifft eine Frau, eine Witwe, bei der 2016 aufgrund von Vergewaltigung HIV diagnostiziert wurde. Sie wurde bis Oktober 2019 kontinuierlich antiretroviral behandelt, als sie von den Behörden ihres Landes willkürlich festgenommen und gefoltert wurde. Als sie im Dezember 2019 nach Griechenland kam, war sie asymptomatisch.

In Moria unterzog sie sich keiner medizinischen Untersuchung und Sachstellenbewertung, obwohl sie die Behörden darüber informiert hatte, dass sie auf HIV getestet und behandelt werden musste. Stattdessen wurde sie in ein Zelt mit offener Tür überstellt. Vier Monate nach ihrer Ankunft bestätigte eine Blutuntersuchung, dass sie tatsächlich HIV-positiv war und die Ärzte beantragten, sie in ein Spezialkrankenhaus in Athen zu bringen, da es auf Lesbos keine angemessene Behandlung gab. Die Behörden trugen keine EF ???? und in der Zwischenzeit litt EF aufgrund des Abbruchs der antiretroviralen Therapie an chronischem Husten, spuckte Blut, bekam schwere Hautausschläge, Fieber, Durchfall und Appetitlosigkeit.

EF verlor bei ihrer Ankunft in Griechenland etwa 20 Kilo und wurde Ende Mai 2020, mehr als sechs Monate nach ihrer Ankunft in Griechenland, mit HIV-bedingtem Blutkrebs diagnostiziert, da sie weiterhin keinen Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung hatte. EF befand sich bei ihrer Ankunft in Griechenland in einer besonders gefährlichen Situation. Ihr Aufenthalt in Griechenland verschlimmerte ihre Situation erheblich. Man hat ihre Würde verletzt und ihr Leben ernsthaft in Gefahr gebracht. »Es ist nun Sache des Gerichtshofs, eindeutig festzustellen, dass die Lebensbedingungen in den Hotspots nicht den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen entsprechen und dass das Maß der geografischen Beschränkung das Leben schutzbedürftiger Menschen ernsthaft gefährdet«, sagte Elli Kriona-Saranti von HIAS Griechenland. GeZaReRa

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