Tägliches Aufräumen

Unerträgliche Zustände – Holt die Menschen endlich aus den Lagern nach Europa!

Die Flüchtlinge berichten, 7. Mai 2021:

Jetzt ist es passiert auf das wir große Angst hatten. Bis gestern wurden 32 Flüchtlinge im Lager positiv auf das Coronavirus getestet. Sie haben leichte Symptome und zusammen mit ihren Kontaktpersonen und Familienmitglieder sind über 100 unter Quarantäne gestellt. Über Ostern kamen von der Türkei mit den Booten 36 Flüchtlinge. Davon waren sehr viele positiv und auch diese sind unter Quarantäne. Positiv ist, dass niemand so erkrankt ist für eine stationäre Behandlung ins Krankenhaus von Mytilene. Wir fangen an, sehr intensiv alle im Lager über die Impfung zu informieren. Wir sind schockiert. Viele haben Angst vor der Impfung, was normal ist aber vor allem bei den Afrikanern gibt es eine komplette Verweigerung. Viele schweigen und erzählen uns die Gründe nicht. Sie trauen der Impfung nicht. Sie rennen weg und verstecken sich in ihren Zelten. Wir wissen nicht warum. Einzelne erzählen, dass jedes Mal, wenn sie in den Dörfern in Afrika geimpft wurden, passierte immer etwas Schreckliches.

Trotz der großen Gefahr von Corona kämpfen wir, dass im Lager die organisierte Arbeit weitergeführt wird.

Am Donnerstag waren unsere Teams fleißig beim Putzen und gerade jetzt mit zu vielen neuen Corona-Fällen im Camp ist es wichtiger denn je, um den Ort sauber zu halten. Wir alle versuchen, den Einwohnern zu sagen, dass sie sich an die Regeln halten sollen, um zu verhindern, dass sich das Virus mehr ausbreitet. Alle Teams sind unterwegs, um Plastik zu reinigen und zu sammeln. Auch an Feiertagen sind wir beschäftigt, unserer Gemeinschaft zu helfen und zu dienen. Das ist unsere Pflicht. Wir haben Bananen für leere Flaschen gegeben. Die Leute mögen es, aber wir alle heutzutage sind sehr vorsichtig und verängstigt, weil jetzt wieder mehr als 100 Corona-Fälle im Camp verzeichnet werden. Später ging es weiter mit der Verteilung der Kleidung. Unsere Arabischkurse gehen weiter und auch unser Platz im Camp wird schöner.

Aufgrund der steigenden Zahl der Covid-positiven Fälle im Camp, die uns alle sehr beunruhigen, hatten heute einige unserer Teammitglieder ein Covid-19-Bewusstseinstraining mit BRF. Wir alle müssen die Aktivitäten und die Sensibilisierung für Camp-Bewohner und Menschen, die im Camp arbeiten, verstärken, um die Verbreitung des Virus zu vermeiden. Nochmals vielen Dank für Ihre wichtige Unterstützung. Gemeinsam haben wir es geschafft, fast alle Camp Bewohner mit Kleidung, Decken und anderen Bedürfnissen zu versorgen.

Das wollten wir immer verhindern

Leider müssen wir heute, Freitag den 07.05.2021, aufgrund der steigenden Covid-19-Zahlen eine Pause mit Bildungstätigkeiten machen, aber es ist wirklich eine Pause und schließlich haben wir eine Vielzahl von Klassen im Netzwerk Moria Academia eingerichtet. Die Busse, haben gut gearbeitet und auch Computer, Kunst, Sprache, Musik und andere Klassen in Zeltschulen. Wir hoffen, dass wir nach dem Lockdown allen Flüchtlingen ein Briad-Educationsprogramm anbieten können. Zusätzlich unsere griechischen Online-Kurse, die wir in Zusammenarbeit mit der Universität Thessaloniki machen, haben gute Resonanz. Einige Bilder aus dem Leben im Camp. Jetzt haben die Leute Angst vor Corona. Aber jeder versucht einfach, trotz all dieser Bedingungen ein Mensch zu bleiben.

Unglaublich schreckliche Nachrichten

Das Wetter ist jetzt warm und wegen dieser Schlangen und Ratten haben die Leute Angst. Dieses Video stammt aus dem Zelt eines unserer Mitglieder in der roten Zone. Wir haben heute erfahren, dass in Chios eine Leiche gefunden wurde, die von Ratten bedeckt war. Die wurde erst später gefunden. Bis dahin war sie von Nagetieren angefressen. Ratten stellen vor allem in Chios und Samos seit geraumer Zeit ein großes Problem dar und fallen hin und wieder auch Lebende an. Es war ein Flüchtling aus Somalia. Der Militärarzt, der ihn untersuchte, stellte fest, dass er seit mindestens 10 bis 12 Stunden tot war, und bemerkte, dass er zwei Wunden hatte, am Ohr und am linken Arm, wahrscheinlich von einem Rattenbiss. Die Möglichkeit eines Fremdverschuldens wurde bereits ausgeschlossen, da es nirgendwo Prellungen, Quetschungen oder Stichwunden gab.

Wir versuchen deshalb immer unser Bestes, um im Camp so viel wie möglich zu putzen, wie wir können, um es sauber zu halten. Dies ist etwas, das wir wissen, hilft, aber auch die Bereiche rund um die Zelte sollten sterilisiert und mit Pestiziden besprüht werden, um Schlangen, Skorpione, Ratten und Insekten möglichst weit wegzuhalten. Diese Arbeit, die wir tun können, geben Sie uns einfach die Werkzeuge und wir werden reparieren!

Das Arbeiterzentrum, mit all seinen Vereinigungen und Mitgliedern, ruft auf zu einer großen Kundgebung am 20.05.2021 in Mytilene

Hauptforderungen sind:

  • dass kein neues Zentrum auf der Insel geschaffen werden sollte, weder geschlossen noch offen
  • das Gefängnis von Kara Tepe und die anderen Hot Spots zu schließen
  • unsere Inseln nicht in Gefängnisse für Seelen zu verwandeln
  • dass Flüchtlinge sofort freigelassen und auf das Festland und von dort in ihre Zielländer gebracht werden
  • In jeder Stadt in Griechenland fanden vom 05. bis 06.05.2021 Demonstrationen und Kundgebungen zum 1. Mai statt. Wegen Orthodoxen Ostern wurde da erst der 1. Mai gefeiert. Es waren Tausende. Überall stand im Zentrum der Kampf gegen die Einführung des 10 Std. Tags und der Einführung der unbezahlten Überstunden.

  • In Mytilene sprachen sich auch die Demonstranten gegen den Hatzidakis-Mitsotakis-Gesetzentwurf über flexible 10-Stunden-Arbeit, unbezahlte Überstunden, Einzelverträge und die faktische Abschaffung des Streikrechts aus.

Thomas Osten Sacken schreibt aus Nordirak:

Es ist schrecklich mit Kara Tepe, dass jetzt der Virus drin ist. Hier im Nordirak sieht es ähnlich aus, auch in den Camps für jesidische Binnenvertriebene steigen die Zahlen erneut. (Siehe Bild)

Im Frühjahr blieb in großen Teilen der Region der übliche Regen aus. Auch hier in Irakisch-Kurdistan sieht die Landschaft aus, wie sonst im Herbst. Statt grüner Berge voller Blumen braunes, verdörrtes Gras. Ganz ähnlich sieht die Situation auf der anderen Seite der Grenze in Syrisch-Kurdistan oder Rojava aus, wo die Türkei auch noch den Wasserzufluss mit ihren Staudammprojekten minimiert. Viviyan Fetah berichtet für Rudaw über die verheerende Lage dort: Der Wasserstand des Euphrat ist um mindestens fünf Meter gesunken. Entlang seines Ufers erstreckt sich trockener, rissiger Boden. Misto ist auf den Fluss angewiesen, um sein Land zu bewässern. Der Wassermangel hat „massive Schäden auf unserer Farm verursacht“, sagt er. Die Quelle des Euphrat liegt in der Türkei. Der Wasserweg schlängelt sich durch Syrien, bevor er in den Irak mündet und ins Meer fließt. Ankara und Damaskus unterzeichneten 1987 ein Abkommen, das besagte, dass die Türkei 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Euphrat hinunter und über die Grenze schicken würde. Heute beträgt die Wassermenge weniger als 200 Kubikmeter pro Sekunde, wie die Generalverwaltung für Staudämme in Rojava mitteilt. Der niedrige Wasserstand wirkt sich auch auf die Stromerzeugung aus, und Beamte sagen, dass sie dem Trinkwasser Vorrang vor der Aufrechterhaltung des Stroms einräumen müssen.“

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