„Wir werden uns das Transparent wiederholen“
  • Lesedauer:3 min Lesezeit

„Wir werden uns das Transparent wiederholen“

Die Flüchtlinge schreiben

Sehr schreckliches Wetter heute. Denk nur, wie es sich anfühlt, im Winter in so einem Camp zu leben. Und nicht nur hier, Millionen leben so in Syrien, Libanon, Iran und anderen Orten unter noch schlimmeren Bedingungen.

Einige von uns sind jetzt den dritten Winter hier. Jetzt, nachdem der Papst uns verlassen hat, kommt die Normalität zurück. Vor einem Jahr haben wir einen Brief an Europa geschrieben, dass sogar Tiere besser behandelt werden als Flüchtlinge. Hat sich das geändert? Warum werden Flüchtlinge überall in Europa als schlechte Menschen oder Kriminelle gesehen? Ist es sogar in Ordnung, sie an der Grenze zu Polen erfrieren zu lassen? Ist es ein Verbrechen, Folter, Krieg und Terror zu entkommen?

Michalis berichtet

Der Präsident des Grenzschutzes von Lesbos beglückwünscht das gesamte Polizeipersonal für die hervorragende Organisation der Sicherheitsmaßnahmen während des Besuchs von Papst Franziskus.

Er beglückwünscht seine Polizeimacht, die die Stadt voll bewacht und kontrolliert hat zu Wasser, in der Luft und zu Lande. Sie ließen nichts durchgehen, sie waren eingestellt, jede Bewegung der Flüchtlinge in den Keim zu ersticken. Das haben sie auch praktiziert. Außer den Flüchtlingen, dem Papst mit Begleitern und der Polizei durfte keiner ins Lager rein. Im Himmel waren etliche Drohnen, die jeden Zentimeter bewachten und jede Regung kontrollierten. Wir hatten ein Transparent aus Gelsenkirchen mit einem kirchlichen Text erhalten. Wir hatten das mit den Flüchtlingen besprochen und keiner hat gedacht das sowas für den Papst gefährlich ist.

Wie besprochen, hat ein Flüchtling das Transparent aus der Tasche herausgeholt, um es in die Höhe zu halten. Kaum hatten ein paar das Transparent angefasst, um es auszubreiten, stürmte die Polizei herbei und hat es den Flüchtlingen weggenommen. Die Flüchtlinge berichteten, dass „wir den Krieg in Syrien im eigenen Leib erlebt haben, aber das, was dort geschah, hochmoderner High Tech Krieg mit Drohnen ist. Zwei Drohen kreisten in Sekunden schnelle um uns herum. Wir dachten sie schließen gleich los“. Das war für die Flüchtlinge furchtbar.

Wir werden uns das Transparent wiederholen und das wird unsere Schulräume schmücken.

Aber eins hat das Herz der Flüchtlinge erwärmt. „Unser Lager-Hund „Dick“, der mit uns im Lager lebt, hat alle Sicherheitssysteme überwunden und die Bühne vom Papst erreicht (siehe Bild). Unser „Dick“ ging vor dem Papst, der ihn mit einem Lächeln ansah, und unser „Dick“ begrüßte alle auch die Kardinäle und verschwand. Er erkannte, dass hier doch langweilig ist“.

Drucken