16.1.21 – Bericht aus Lesvos
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16.1.21 – Bericht aus Lesvos

1. (War am 15.01.2021) Heute haben wir Tee gegen leere Flaschen ausgetauscht. Die Leute mögen das, weil es hier jetzt zu kalt ist und es keine Heizungen gibt, so dass sie wenigstens auf heißen Tee hoffen, um etwas Wärme zu bekommen.

2. Kein Recycling heute. Starker Regen und Schnee und Temperaturen um 0. Ist furchtbar. Immer noch keine Heizungen. Bitte beten Sie für uns alle, auch wenn uns niemand wirklich helfen will, um wenigstens zu überleben und wir hier einfach frieren.

3. Aktuelle Meldung aus Kara Tepe:Die Temperaturen nachts nähern sich inzwischen in Lesbos dem Nullpunkt und noch immer gibt es keine Heizungen in den Zelten, von denen viele Sommerzelte sind.

Nun Heizungen stehen zur Verfügung: In Athen liegen hunderte herum, die Österreich geschickt hat und hier auf der Insel über eintausend.

Nur die in Athen haben 3500 Watt, die auf der Insel nur 1000. Das lokale Stromnetz hält es nicht aus, auf einmal überlastet zu werden und außerdem ist irgendwie furchtbar kompliziert, Verträge mit dem lokalen Stromanbieter abzuschließen. (Ähnlich ist es mit Wasser, das ja theoretisch zur Verfügung steht, aber nicht angeschlossen wird, weshalb für viel Geld Tanklaster täglich Wasser heranschaffen.) Also braucht es Generatoren im Camp. Um eintausend 1000-Watt-Heizer auf einmal zu betreiben, wäre ein Generator mit mindestens 1000 kWh. Dazu kommen noch alle anderen Stromquellen im Camp.

So ein Generator steht allerdings bislang nicht zur Verfügung, weil es offenbar unglaublich kompliziert ist, in drei Monaten zusätzlich so ein Ding zu beschaffen und anzuschließen.

Bis jetzt stehen dem ganzen Camp drei kleiner Generatoren mit zusammen weniger als 1000 kWh zur Verfügung und deshalb müssen die Leute jetzt bitterlich frieren.Welcome to Europe.Die Straßen im Zentrum von Lesvos: Es schneit nun, wie vom Wetterbericht seit Tagen vorhergesagt. Die Temperaturen liegen um null Grad. Wir haben, wie so viele andere davor gewarnt, dass dies passieren wird! Keine Heizungen in den Zelten, viele davon sind Sommerzelte. Keine Drainage. Die Bewohner wurden in eine solche Situation gebracht und jeder wusste, dass der Winter kommen wird.Es ist eine solche Katastrophe, uns fehlen die Worte.

4. Lebensmittelverteilung durch lokale Freiwillige für arme und bedürftige Griechen in der Gemeinde Kalloni (siehe Bilder)

5. Thomas Osten Sacken: Wenn man ein wenig in den Untiefen des NGO-Business recherchiert, stößt man jeden Tag auf neue Überraschungen.

Das IRC war in Syrien ein wichtiger Akteur, auch wenn ich schon damals in Gaziantep, als ich einige syrische Organisationen beriet, durch die Bank nur ziemlich miese Geschichten über diese, von David Millibrand geführte Organisation hörte.

Und nun dies: Während sie in den Gebieten der syrischen Opposition arbeitete, ließ sich der Chef selbst seine Kasse ein wenig aus Moskau aufbessern, nur ein Jahr nachdem seine Organisation unter Korruptionsverdacht stand.

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