Weltflüchtlingstag: Wie ihn Flüchtlinge erleben
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Weltflüchtlingstag: Wie ihn Flüchtlinge erleben

Zum Weltflüchtlingstag erreichten mir heute verschiedene Beiträge der Flüchtlinge

Heute ist Weltflüchtlingstag. Dies ist, was wir vor einem Jahr geschafft haben. Es ist schlimmer noch einmal zu teilen, weil sich nicht viel verändert hat.

Heute ist Weltflüchtlingstag. Gestern haben sie ein schönes Konzert in Mytilene zur Unterstützung von Flüchtlingen gemacht, heute werden auch einige Artikel veröffentlicht. Das ist alles sehr schön, aber wer redet schon morgen über unsere Situation hier oder in Syrien oder anderen Orten? Wer wird es ändern? Es tut mir leid, sagen zu müssen, aber wir sind uns sicher, dass niemand ist. Was ist also das Gute an einem solchen Tag?

Wir arbeiten jeden Tag sehr hart, um unseren Flüchtlingen hier zu helfen, sie sind Asylanten wie wir. Also für uns ist jeder Tag so ein Tag und wir hoffen, dass sich die Situation ändern wird. Aber wir werden sehr müde und hören jetzt alle Gespräche über Pläne, Menschen in die Türkei oder sogar Syrien zurückzuschicken. Was hat sich also seit dem letzten Weltflüchtlingstag geändert? Irgendetwas zum Guten? Also, was sollen wir tun? Was zum Weltflüchtlingstag 2022? Unsere Teams sind unterwegs, um Plastikflaschen und anderen Müll zu sammeln, um das Camp sauber zu halten. Das ist es, was wir jeden Tag tun, nur weil wir an diese Arbeit glauben und wir denken, wir sollten es alleine schaffen. Das haben Syrer in den letzten elf Jahren auf sehr schmerzhafte Weise gelernt: Niemand kommt, der uns hilft. Wir müssen uns selbst helfen. Und hier sind nicht nur Syrer jetzt tolle Teams zusammen mit unseren afghanischen Kollegen und Flüchtlinge aus anderen Ländern. Wir sind stolz darauf, uns und allen zu zeigen, dass wir so viele Dinge bewältigen können, wir sind nicht nur ′′ arme Flüchtlinge „, wir brauchen nur Respekt und einen Ort, an dem wir sicher sind und eine Zukunft für uns und unsere Kinder haben. Aber wo ist dieser Ort? Scheinbar will Europa uns nur loswerden, jetzt wird wirklich diskutiert, uns nach Syrien zurückzuschicken? Was erwartet uns dort? Nicht nur Krieg und Armut, sondern auch Gefängnis, Folter und Tote.

Die Mehrheit unserer Teams kommt aus Afghanistan, …

… wir verfolgen dort mit die Horrorentwicklung. Viel mehr Kampf und Terror auf einer Hand und jetzt das: ′′Afghanistan hat sogar keine leeren Sauerstoffflaschen mehr. Letzte Woche kam eine Lieferung von 1,000 aus Usbekistan. Inzwischen rationieren Krankenhäuser ihre Sauerstoffversorgung. Afghanische, die nach Sauerstoff verzweifelt suchen, knallen an den Türen der wenigen Sauerstofflieferanten in der afghanischen Hauptstadt und betteln darum, dass ihre leeren Zylinder für COVID-infizierte Angehörige zu Hause gefüllt werden.“

Wir sind das Volk von Moria

Heute ist Weltflüchtlingstag, ein Tag, um Bewusstsein zu schaffen. Und wir werden genau das tun: In der letzten Woche haben wir uns im Moria-Camp gefragt, was es bedeutet, ein Bewohner von Moria zu sein. Wir fragen, wo ist das UNHCR? Diese Worte sind Aussagen unserer Geschichte. Wir bitten nur darum, sich die Zeit zu nehmen. Als Flüchtling haben wir Rechte, aber diese Rechte werden nicht gewährt! Wir haben allgemeine Menschenrechte gemäß der Genfer Konvention von 1948, wir haben Rechte nach der Flüchtlingsübereinkunft von 1951, die uns aber nicht gegeben werden.

Moria – Hotspot

Wir wollen klarstellen, dass Moria KEIN Flüchtlingslager ist – es ist ein Hotspot. Uns wurde vom EU-Türkei-Deal versprochen, nur maximal 3 Wochen hier zu bleiben. Jetzt bleiben einige ein Jahr hier, andere jahrelang! Wir haben keinen angemessenen Wohnungsraum. Wir haben kein ausreichendes Wasser. Wir haben keinen angemessenen Zugang zu medizinischer Hilfe und Pflege. Wir sind nicht gut geschützt. Unsere Kinder erhalten keine Bildung. Wir sind hier und verlieren wertvolle Zeit unseres Lebens. Wo ist die UN, um unsere Rechte zu verteidigen? Ist das Europa, für das wir unser Leben riskiert haben?

Heute ist Weltflüchtlingstag, ein Tag, um Bewusstsein zu schaffen. Das ist unsere Situation: wir befinden uns immer noch im Lockdown bei dieser Sommerhitze, wo wir nicht genug Wasser für Getränk oder Dusche haben. Wir können nicht zum Strand runtergehen, um uns abzukühlen, obwohl der Strand nah ist, weil wir die Ausgangssperre respektieren. Wir hatten seit März eine Ausgangssperre im Camp. Es ist unlogisch, jetzt immer noch Lockdown zu haben, nachdem wir keinen einzigen bestätigten Covid-19-Fall im Camp hatten, haben wir immer noch einen Lockdown über einen Monat, nachdem der Rest Griechenlands geöffnet hat. Nachdem wir in dieser Krisenzeit die Regierungsmaßnahmen kooperiert und respektiert haben, dann erhalten wir nicht einmal eine Erklärung, um zu verstehen, warum wir diesen Lockdown weiterhin nur für das Camp haben. Im Versuch, die Anzahl der Menschen in Camps zu reduzieren, dann bekommt man ihnen einen blauen Stempel. Es bedeutet, dass sie einen Personalausweis bekommen können, wenn sie Haus und Job bekommen können. Aber für den Job müssen sie griechisch sprechen und Haus haben. Für das Haus müssen sie einen Job haben. Erst danach kann man einen Personalausweis bekommen. So viele von uns hatten gehofft, diesen Tag zu erleben, aber nur zu entdecken, dass es unser Leben noch schwieriger machen würde. Vielen Menschen mit blauen Briefmarken wurde gesagt, sie müssten Geld aus ihrem eigenen Budget ausgeben und nach Athen gehen, wo es keinen Plan für sie gibt. Leider sehen wir, dass die Menschen von den Bedingungen gehen, die schlecht bis noch schlimmer sind. Die Menschen werden jetzt auf dem Victoria Platz in Athen zu überfüllter Obdachlosigkeit gezwungen. Deshalb fühlen sich einige gezwungen, illegale Alternativen zu suchen, nur um zu überleben. Wo sind unsere Rechte? Wo ist die Menschlichkeit? Es ist schlimmer als ein Zoo! Denn dort erhalten die Tiere Schutz, Unterkunft, Nahrung und medizinische Hilfe. Wo bleibt uns das? Was sind wir, jenseits des Asylantitels? Werden wir nicht als Menschen angesehen? Seit Monaten reden alle über die Hölle von Moria. Und? Irgendwas passiert? Wir sehen es nicht. Und wir sind nur eine kleine Zahl der Millionen von Flüchtlingen weltweit, deren Situation jedes Jahr immer schlimmer werden. Wir haben gelesen, dass wir dieses Jahr 80 Millionen sind. Nun, nächstes Jahr vielleicht 100? Wir sagen, dass dies kein Tag ist, um gefeiert zu werden.

Im Video erklären unsere Kollegen von MCAT das Recyclingprojekt, das wir seit mehr als einem Jahr gemeinsam umsetzen. Es ist, wie alle Projekte, die wir unterstützen, von Flüchtlingen vollständig selbstorganisiert und große Auswirkungen hatten und haben. Nur in diesem Monat mussten die Tage aufgrund der Corona-Einschränkungen und einiger Finanzierungsprobleme auf drei pro Woche begrenzt werden, aber ab nächster Woche gelten wieder die normalen fünf Tage. Wir möchten uns bei allen Unterstützern dieses Projektes bedanken, die es bisher ermöglicht haben, insbesondere Solingen hilft e. V., Plastikfreier Ozean, Hoffnungsprojekt, menschliches Plus, Solidarität International und and Shower Power. Ein großer Dank geht an die Bäckerei Sousamlis in Mytilene, die unsere Klassen mit kostenlosem Brot und Süßigkeiten versorgt haben.

In diesem Camp gibt es so viele talentierte Musiker und jetzt tauschen sie sich aus verschiedenen Herkunftsländern aus.(Siehe Bilder)

Thomas Osten Sacken: Europa weist Flüchtlingsschutz von sich

Ein unbedingt lesens/hörenswerter Beitrag des Deutschlandfunks, in dem ein wenig ein Teil des hier herrschenden Wahnsinns zur Sprache und auch einige meiner hiesigen Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen: „Auch im neuen Lager Kara Tepe, in dem viele der Bewohner von Moria nach dem Brand untergebracht wurden, ist die Situation schlecht. „Es ist sicherer als Moria, aber sonst hat sich nichts geändert“, berichtet Omid Alizada, der seit eineinhalb Jahren auf Lesbos festsitzt. „Die sanitäre Versorgung fehlt. Das Essen ist schlecht. Es gibt nicht genug Wasser. Die Lebensbedingungen sind sehr, sehr schlecht. Die Menschen leben in Zelten, warten Stunden auf eine Mahlzeit, warten Stunden für einen Arztbesuch.“ Griechenland hat von der EU von 2015 bis heute 2,8 Milliarden Euro für die Versorgung von Flüchtlingen erhalten. Aber das Geld kommt nicht in den Lagern an. Moria, Kara Tepe – der miserable Zustand der Lager soll andere Flüchtlinge von der Überfahrt über das Mittelmeer abschrecken, vermutet der Jurist und Politikwissenschaftler Maximilian Pichl in der Studie „Der Moria-Komplex“. In einem Interview mit dem RBB findet er klare Worte: „Das ist keine humanitäre Katastrophe, die sich einfach nur mit Hilfsgeldern beheben lassen könnte, sondern das ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik der Auslagerungen, wo zentraleuropäischen Staaten immer wieder die Verantwortung für den Flüchtlingsschutz von sich weisen wollten.“

Politische Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe

Camps wie Moria sind gewollt. Schuld daran: die EU, ihre Mitgliedsstaaten und die griechische Regierung. Aber auch das Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die vielen privaten NGOs, die auf Lesbos aktiv sind, trifft eine Teilschuld. Denn sie halten den Laden am Laufen und stützen damit das Lagersystem.(…)

NGOs können nach Belieben schalten und walten

Die Hilfsorganisationen müssten sich gegen die griechische Regierung, gegen die EU, gegen die Mitgliedsstaaten wenden, rechtlich gegen sie vorgehen. Die meisten NGOs tun das nicht. Das könnte auch daran liegen, dass sie in Lesbos nach Belieben schalten und walten können. Und dass sie, wenn sie gegen das EU-Migrationsregime vorgehen, ihre eigene Existenzgrundlage bekämpfen. „Die NGOs, die hier arbeiten, begannen 2015 und 2016 aus dem Boden zu schießen“, erzählt Shirin Tinnesand. Sie kam vor einem Jahr nach Moria, um die Arbeit der nicht-staatlichen Hilfsorganisationen wissenschaftlich zu untersuchen. „Die meisten von ihnen haben keine längere Geschichte, auf die sie zurückblicken könnten. Sie waren vorher nirgendwo anders aktiv.“ Mittlerweile arbeitet Tinnesand für die griechische NGO „Stand by me Lesvos“. Im Gepäck hatte sie damals die Frage: Wie ist die Arbeit im Camp konkret organisiert? Heute weiß sie: So gut wie gar nicht. „Die griechische Regierung war nicht in der Lage oder nicht willens, die Arbeit der NGOs zu dokumentieren im Sinne von: Was machen sie? Woher kommen sie? Woher kommt das Geld? Wie viele Empfänger erreichen sie? Und dasselbe gilt für die finanzielle Situation. Auch die wird nicht dokumentiert. Es ist wie eine kalifornische Goldmine.“ Eine Recherche der taz aus dem Dezember 2020 scheint das zu bestätigen. Die Reporter fragten bei 18 auf Lesbos aktiven Hilfsorganisationen nach, wie viele Spenden sie nach dem Brand von Moria gesammelt hätten und wofür diese ausgegeben worden seien. Neun NGOs antworteten: Sie kamen auf 5,8 Millionen Euro – allein nach dem Brand. Vier Millionen davon sollten schon zum Zeitpunkt der Umfrage in Nothilfe und Notunterkünfte geflossen sein. Doch nach Ansicht vieler Camp Bewohner sind die Hilfen nicht sichtbar. Auch Omid Alizada hat von dem vielen Geld nichts bekommen. „Wir haben uns gefragt, was mit all dem Geld passiert, das gespendet wird. Das ist viel Geld, es sind Millionen. Wäre das Geld in den Händen der Geflüchteten, sie könnten ihr Leben viel besser machen.“

Brand in Moria: „Ein sehr problematischer Prozess“

«Es ist hochproblematisch, dass ein solcher Gerichtsfall unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet», sagt Kraan, «auch unabhängige Beobachter und Beobachterinnen, etwa vom Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die extra angereist und registriert waren, standen vor verschlossenen Türen.» Währenddessen konnte keiner der geladenen fünfzehn Belastungszeugen im Gerichtssaal bestätigen, die Angeklagten in der angeblichen Tatnacht gesehen zu haben. Das Gericht stützte sich allein auf die schriftliche Aussage eines Zeugen, der nicht mehr auffindbar war und deshalb am letzten Freitag auch nicht vor Gericht erschien. Der Zeuge lebte zum Zeitpunkt des Feuers in Moria und erhielt kurz danach einen positiven Asylbescheid, womit er die Insel verlassen konnte. Es sei klar gewesen, so die Verteidigerin Dailiani, dass Moria nicht nur in einer Nacht, sondern innerhalb von vier Tagen durch erneut entfachte Feuerstellen abgebrannt sei. Es sei schlicht unmöglich zu sagen, dass fünf zur Tatzeit minderjährige Bewohner und ein junger Mann alleine für das Feuer verantwortlich gemacht werden könnten. Das Chaos in der ersten Feuernacht habe auch ein Zeuge vor Gericht beschrieben. Hunderte von demonstrierenden und wütenden Menschen seien in der Nacht vom 8. auf den 9. September die Olivenhügel hinuntergerannt. Erst brannten Zelte in den Olivenbaumfeldern ausserhalb des Lagers, dann standen auch die Container im ehemaligen Militärlager selbst in Flammen.“ Wer mehr wissen will über die vielen, vielen Fragen, die es weiter über die Hintergründe des Feuers gibt, dem sei diese Reportage ans Herz gelegt: https://www.youtube.com/watch?v=1-cjHUAxxNg

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